In der 27. SSW sind Sie im letzten Abschnitt des zweiten Trimesters. Die 27. SSW folgt auf die 26. SSW; mit der 28. SSW beginnt das dritte Trimester.
Der Fötus wiegt jetzt knapp 875 g und ist etwa 36 cm lang. Das Gehirn wächst rasant und bildet erste Windungen (Gyrifikation). Das Hörvermögen ist gut entwickelt – das Baby erkennt vertraute Stimmen und reagiert auf Musik. Die Lungen reifen weiter; bei einer Frühgeburt in dieser Woche sind die Überlebenschancen mit intensivmedizinischer Versorgung bereits deutlich gestiegen.
Für Datumsberechnungen zum errechneten Termin und zur aktuellen SSW nutzen Sie den Schwangerschaftsrechner.
Kurzatmigkeit bei leichter Anstrengung wird durch die hochstehende Gebärmutter, die das Zwerchfell nach oben drückt, verstärkt. Häufiger Harndrang ist zurück oder intensiver geworden. Brustspannen und erste Veränderungen der Brustwarzen (Dunkelfärbung, Montgomery-Drüsen) bereiten das Stillen vor. Schlafprobleme durch Rückenschmerzen, Beckenbeschwerden, häufige Toilettengänge und Kindsbewegungen sind typisch.
Streifen (Striae gravidarum) entstehen jetzt bei vielen Frauen durch schnelles Wachstum; Cremes können das Jucken lindern, verhindern sie jedoch nicht sicher. Sie verblassen nach der Geburt von rot zu silberfarben.
Warnsymptome – sofort Kreißsaal: regelmäßige oder schmerzhafte Kontraktionen, Flüssigkeitsabgang, Blutungen, starker Juckreiz an Handflächen/Fußsohlen (Cholestase), starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen (Präeklampsie).
Gyrifikation bezeichnet die Bildung von Gehirnwindungen (Gyri) und Furchen (Sulci). Sie beginnt intensiv im dritten Trimester und vergrößert die Gehirnoberfläche deutlich. Ein stärker gefaltetes Gehirn ermöglicht mehr neuronale Verbindungen.
Striae gravidarum (Schwangerschaftsstreifen) entstehen durch Risse in der Lederhaut (Dermis), wenn die Haut schneller dehnt als das Bindegewebe nachgeben kann. Genetische Veranlagung ist der wichtigste Risikofaktor. Sie sind bleibend, verblassen aber nach der Geburt von rötlich zu silbrig-weiß.
Montgomery-Drüsen sind talgdrüsenartige Drüsen am Warzenhof der Brust, die sich in der Schwangerschaft vergrößern und als kleine Knötchen sichtbar werden. Sie produzieren ein Sekret, das die Brustwarzen pflegt und für das Neugeborene durch Duft einen Orientierungsreflex auslöst.
Mutterschaftsgeld (Deutschland) wird während der Mutterschutzfrist von der Krankenkasse und dem Arbeitgeber geleistet. Die GKV zahlt maximal 13 €/Tag; der Arbeitgeber zahlt den Differenzbetrag zum Nettolohn. Antrag bei der Krankenkasse ca. 7 Wochen vor dem errechneten Termin stellen.
Das dritte Trimester beginnt in der 28. SSW (nach DACH-Einteilung: 28.-40. SSW). Es ist die Zeit der letzten Reifung: Lungen, Gehirn und Immunsystem werden fertig, das Baby nimmt stark an Gewicht zu. Für Sie beginnt oft eine Phase größerer Erschöpfung, Kurzatmigkeit, häufigerem Harndrang und stärkerer Kindsbewegungen. CTG-Kontrollen (Herzton-Wehen-Aufzeichnung) beginnen ab der 28. SSW bei Risikoschwangerschaften - je nach Befund auch später.
In Deutschland beginnt die gesetzliche Mutterschutzfrist 6 Wochen vor dem Entbindungstermin (errechnetem Termin) und dauert 8 Wochen danach (12 Wochen bei Frühgeburten oder Mehrlingsgeburten). Während dieser Zeit gilt ein Beschäftigungsverbot, und der Arbeitgeber zahlt den Mutterschutzlohn (Mutterschaftsgeld GKV + Arbeitgeberzuschuss). In Österreich heisst es Mutterschutzgesetz, in der Schweiz Mutterschaftsentschädigung (14 Wochen, finanziert durch die EO). Arbeitgeber jetzt über Geburtstermin informieren, falls noch nicht geschehen.
Ideale Vorbereitung jetzt: Informationssammlung (Stillbroschüren, Stillkurs der Hebamme oder Volkshochschule, Bücher wie "Stillzeit" von La Leche League). Materiell: Still-BHs in richtiger Größe, Stilleinlagen, Lanolin-Brustwarzencreme (z. B. Lansinoh) bereitstellen. Brustwarzen-Konditionierung (Einreiben, Abrollen) ist nach aktuellem Wissen NICHT nötig und kann Früh- oder Wehen auslösen. Fragen zur Brustanatomie (Hohlbrustwarzen, kleine Brüste, Piercing) mit der Hebamme besprechen. Stillen kann erlernt werden - die erste Stunde nach der Geburt ist entscheidend.
Für Sie: Vorlagenschlüpper oder auslaufsichere Unterwäsche, Wochenbettvorlagen (keine Tampons!), Stilleinlagen, Still-BHs, bequeme Nachtkleidung mit Knöpfen, Peribottle für die Dammpflege, Sitzkissen (bei Nähten), Sodbrennen-Medikamente. Für das Baby: Erstlingsausstattung (Bodys, Strampler, Schlafanzüge), sichere Schlafoberfläche (feste Matratze), Schlafsäcke, Feuchttücher, Waschlappen. Babybadewanne ist praktisch, aber nicht zwingend nötig.
Ein Kaiserschnitt auf Wunsch (ohne medizinische Indikation) ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz grundsätzlich möglich, aber nicht automatisch GKV-finanziert. Die betreuende Frauenärztin oder der Arzt muss die Beratung durchführen und die Indikation oder den Patientenwunsch dokumentieren. Je frühzeitiger der Wunsch gäußert wird, desto besser kann die Geburtsplanung erfolgen. In der 27. SSW ist die Besprechung jetzt sinnvoll - die Entscheidung kann auch noch später getroffen werden.