Das dritte Trimester ist die intensivste Wachstumsphase der gesamten Schwangerschaft. Ihr Baby gewinnt rasant an Gewicht — von rund 1 000 g in der 28. SSW auf durchschnittlich 3 400 g zur Geburt in der 40. SSW — und schließt gleichzeitig die Reifung lebenswichtiger Organe ab. Die Lunge vervollständigt ihre Surfaktantproduktion, das Gehirn verdoppelt sein Volumen, und die Sinne des Kindes werden zunehmend sensibler für Licht, Geräusche und Berührungen. Parallel dazu bereitet sich Ihr Körper aktiv auf die Geburt vor: der Muttermund beginnt sich aufzulockern, Vorwehen (Braxton-Hicks) werden spürbarer, und der Instinkt zur Vorbereitung nimmt zu.
Das dritte Trimester umfasst in diesem Schwangerschaftskalender die 28. bis 40. SSW. Jede einzelne Woche bringt Ihr Kind seinem Geburtstag näher. Beginnen Sie mit der 28. SSW und dem Einstieg ins dritte Trimester, begleiten Sie die Lungenreifung und die ersten Geburtsvorbereitungen in der 32. SSW, oder lesen Sie weiter bis zur 37. SSW, ab der Ihr Baby als termingerecht gilt. Berechnen Sie Ihren voraussichtlichen Geburtstermin mit dem Geburtsterminrechner und packen Sie rechtzeitig die Kliniktasche.
Das dritte Trimester lässt sich in drei klar unterscheidbare Phasen unterteilen:
Im dritten Trimester werden körperliche Beschwerden deutlich spürbarer. Kurzatmigkeit ist häufig, weil der wachsende Uterus das Zwerchfell nach oben drängt und das Lungenvolumen einschränkt. Bei Erstgebärenden bessert sich dies oft merklich, sobald der kindliche Kopf ins Becken eintritt — bei Mehrgebärenden kann diese Erleichterung ausbleiben und erst mit dem Einsetzen der Wehen eintreten.
Schlafprobleme sind in diesem Trimester nahezu universell: erschwertes Umdrehen, häufiges Wasserlassen und Wadenkrämpfe unterbrechen den Nachtschlaf. Gynäkologinnen und Hebammen empfehlen die Linksseitenlage, da sie den venösen Rückfluss über die Vena cava inferior optimiert und die Durchblutung von Plazenta und Nieren verbessert. Spezielle Schwangerschaftskissen (U- oder C-Form) können die Liegepositon erleichtern.
ISG-Schmerzen (Iliosakralgelenk) und eine Symphysenlockerung (SPL) entstehen durch das Hormon Relaxin, das die Beckenbänder für die Geburt aufweitet. Physiotherapie, Beckenbodentraining und gezieltes Dehnprogramm lindern die Beschwerden erheblich. Harninkontinenz bei Belastung (Husten, Niesen, Lachen) tritt aufgrund des erhöhten Drucks auf den Beckenboden auf und ist ein guter Grund, schon jetzt mit Beckenbodenübungen zu beginnen. Sodbrennen und Knöchelödeme sowie Krampfadern sind weitere typische Beschwerden, die mit dem dritten Trimester zunehmen.
Beim Thema Schmerzmittel gilt eine wichtige Regel: Paracetamol ist das einzige rezeptfrei erhältliche Analgetikum, das in der Schwangerschaft als vertretbar gilt. NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac sind ab der 28. SSW kontraindiziert, da sie den Ductus arteriosus des Kindes vorzeitig verschließen und die Nierenfunktion des Fetus beeinträchtigen können. Fragen Sie bei Unsicherheit stets Ihre Gynäkologin, Ihren Gynäkologen oder Ihre Hebamme. Schließlich ist die Abgrenzung von Braxton-Hicks-Vorwehen (unregelmäßig, schmerzarm, sistieren bei Lagewechsel oder Flüssigkeitszufuhr) von echten Wehen (regelmäßig, zunehmend schmerzhaft, in Abständen ≤ 10 Minuten) entscheidend — bei Zweifeln immer die Klinik kontaktieren.
In Deutschland sieht der Mutterpass Vorsorgeuntersuchungen in der 28., 32. und 36. SSW vor. Jede Untersuchung umfasst Blutdruckmessung, Gewichtskontrolle, Urinuntersuchung und Messung des Symphysen-Fundus-Abstands (Fundusstand/HU). Ein CTG (Kardiotokogramm zur gleichzeitigen Aufzeichnung kindlicher Herzfrequenz und Wehentätigkeit) wird ab etwa der 30. SSW bei medizinischer Indikation eingesetzt, in der Spätphase routinemäßiger. Bei Rh-negativen Schwangeren wird in der 28. SSW die Anti-D-Prophylaxe verabreicht, um eine Rh-Sensibilisierung zu verhindern.
Der Ultraschall des dritten Trimesters (planmäßig zwischen der 29. und 32. SSW) umfasst Biometrie (Kopfumfang, Bauchumfang, Femurlänge), Beurteilung von Plazenta und Fruchtwasser, Dopplermessung der Nabelschnurgefäße und der Arteria uterina sowie die Beurteilung der kindlichen Lage (Schädellage, Beckenendlage, Querlage).
Der GBS-Abstrich (vaginal und anal) erfolgt zwischen der 34. und 38. SSW und ist Bestandteil der Mutterpassvorsorge.
Der Geburtsvorbereitungskurs kann ab der 28. SSW begonnen werden. In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) die Kosten eines Kurses von bis zu 14 Stunden für die Schwangere vollständig; für den Partner wird ein Zuschuss von ca. 50 € gewährt (je nach Kasse). Kurse bei einer Hebamme können als Einzelstunden oder in der Gruppe absolviert werden.
In Österreich regelt der Mutter-Kind-Pass alle Pflichtuntersuchungen im dritten Trimester; fünf ärztliche und drei Hebammenuntersuchungen sind vorgesehen, ebenso wie zwei Ultraschalluntersuchungen im letzten Trimenon. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung (KVG/LAMal) die gesetzlich vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen ohne gesonderte Voranmeldung; die genaue Anzahl der Ultraschalle richtet sich nach dem Risikoniveau.
Das dritte Trimester ist die richtige Zeit, um alle praktischen Vorbereitungen abzuschließen. Packen Sie die Kliniktasche spätestens bis zur 36. SSW — idealerweise noch etwas früher. Sie sollte enthalten: Mutterpass, Personalausweis, Versichertenkarte (Krankenversichertenkarte), Anmeldeunterlagen der Geburtsklinik, bequeme Kleidung für Kreißsaal und Wochenbettstation, Stilleinlagen und Still-BHs, Babyerstausstattung (Strampler, Body, Mützchen, Schlafsack) sowie die fertig installierte und überprüfte Babyschale im Auto.
Formulieren Sie Ihren Geburtsplan (auch Geburtswunschzettel genannt) und besprechen Sie ihn vorab mit Ihrer Hebamme und der Geburtsstation. Typische Punkte: Wünsche zur Periduralanästhesie (PDA), zur Bewegungsfreiheit unter der Geburt, zu Dammschutzmaßnahmen, zu Haut-zu-Haut-Kontakt unmittelbar nach der Geburt sowie zur Unterstützung beim Stillen im Kreißsaal. Ein Geburtsplan ist kein Vertrag, aber ein wichtiges Kommunikationsmittel.
Melden Sie sich spätestens bis zur 32. SSW in Ihrer Wunschgeburtsklinik an — beliebte Kliniken in Städten wie Berlin, Wien oder Zürich sind oft früh ausgebucht. Denken Sie außerdem schon jetzt an die Beckenboden-Physiotherapie nach der Geburt: In Deutschland haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf 10 Sitzungen Beckenboden-Rückbildungsgymnastik auf Rezept, die in der Regel ab der 6.–8. Woche nach der Geburt beginnen.
Kontaktieren Sie unverzüglich die Geburtsstation — auch nachts und am Wochenende — wenn Sie eines der folgenden Zeichen bemerken:
Im echten Notfall: Deutschland 112, Österreich 144, Schweiz 144. Für dringende nicht lebensbedrohliche Fragen außerhalb der Praxisöffnungszeiten ist in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 erreichbar.
Kindsbewegungen / Kindsbewegungszählen – aktive Bewegungen des Kindes (Tritte, Drehungen, Dehnungen), die die Mutter ab ca. der 20.–22. SSW wahrnimmt. Ab der 28. SSW sollten täglich mindestens 10 deutliche Bewegungen in einem aktiven 2-Stunden-Fenster spürbar sein. Eine signifikante Abnahme ist immer sofort abzuklären.
GBS (Gruppe-B-Streptokokken) – häufige, bei der Mutter symptomlose Besiedlung der Vaginalflora (bei 10–30 % der Schwangeren). Kann beim Neugeborenen unter der Geburt eine schwere Infektion (Sepsis, Meningitis) auslösen. Prävention: intravenöse Antibiotikaprophylaxe unter der Geburt bei positivem Abstrich-Ergebnis.
Blasensprung / Fruchtblase – Riss der Fruchtblase mit Abgang von Fruchtwasser. Der vorzeitige Blasensprung (vor Wehenbeginn) erfordert sofortige klinische Beurteilung, da das Risiko einer aufsteigenden Infektion (Amnioninfektionssyndrom) besteht.
Schleimpfropf – Schleimpfropf (auch Zeichnen genannt): Ablösung des zähen Zervixschleims, der den Muttermund während der Schwangerschaft versiegelt hat. Kann Tage bis Wochen vor den eigentlichen Wehen abgehen und ist kein Grund, sofort in die Klinik zu fahren — es sei denn, es geht mit starken Blutungen oder Wehen einher.
Muttermund (Auflockerung / Verkürzung / Eröffnung) – die drei Phasen der Zervixreifung vor und während der Geburt. Auflockerung bedeutet, dass der Muttermund weicher wird; Verkürzung (Effacement) beschreibt die Verkürzung der Zervix; Eröffnung bezeichnet den Öffnungsdurchmesser in Zentimetern (vollständig bei 10 cm).
CTG (Kardiotokogramm) – gleichzeitige Aufzeichnung der kindlichen Herzfrequenz und der Wehentätigkeit mittels Ultraschall- und Drucksensor auf dem Bauch. Dient zur Beurteilung des kindlichen Wohlbefindens und der Wehenqualität — in der Geburtsüberwachung unverzichtbar.
Wochenbett (4. Trimester) – die ersten 6–8 Wochen nach der Geburt, in denen sich Gebärmutter und Körper zurückbilden, die Stillbeziehung aufgebaut wird und die emotionale Anpassung an die neue Elternrolle stattfindet. Hebammenbetreuung ist in Deutschland für bis zu 8 Wochen post partum eine GKV-Leistung.
Als Frühgeburt gilt eine Geburt vor der vollendeten 37. SSW. Die Grenze der Lebensfähigkeit (Viabilität) liegt medizinisch bei ca. 22–24 SSW, jedoch sind Frühgeborene vor der 28. SSW auf intensive neonatologische Betreuung angewiesen. Eine termingerechte Geburt findet zwischen der 37+0 und 41+6 SSW statt. Der errechnete Termin (ET) liegt in der 40. SSW. Geburten in der 42. SSW oder später gelten als Übertragung und werden engmaschig überwacht.
Vorwehen (Braxton-Hicks) sind unregelmäßig, meist schmerzlos und werden nicht stärker. Echte Wehen kommen in regelmäßigen Abständen (anfangs alle 8–10 Minuten, dann kürzer), werden mit der Zeit stärker, länger und schmerzhafter. Eine praktische Faustregel: Gehen Sie spazieren – Vorwehen lassen nach, echte Wehen werden stärker. Zusätzliche Zeichen echter Wehen können Schleimpfropfabgang ("Zeichnen"), Blasensprung oder blutiger Ausfluss sein.
GBS (Gruppe-B-Streptokokken) sind Bakterien, die bei 10–30 % der Frauen harmlos im Vaginal- oder Rektalbereich vorkommen. Beim Neugeborenen kann eine GBS-Infektion unter der Geburt jedoch zu lebensbedrohlicher Sepsis oder Meningitis führen. In Deutschland und Österreich wird ein GBS-Abstrich zwischen der 35. und 37. SSW empfohlen. Bei positivem Ergebnis erhalten Sie unter der Geburt eine prophylaktische Antibiotikainfusion (Penicillin G). In der Schweiz gelten vergleichbare Richtlinien.
Wichtigste Dokumente: Mutterpass, Personalausweis, Krankenkassenkarte, Geburtsplan (falls vorhanden), Impfausweis. Für Sie: bequeme Kleidung, Stillnachthemd oder Still-BH, rutschfeste Socken, Toilettenartikel, Snacks und Getränke, Wärmflasche oder TENS-Gerät. Fürs Baby: 2–3 Bodys, Strampler, Mütze, Erstlingsschühchen und Autositz für die Heimfahrt. Alles spätestens ab der 36. SSW bereit haben.
Ab der 28. SSW sollten Sie täglich auf Kindsbewegungen achten. Eine gängige Methode: Zählen Sie täglich zu einer festen Zeit, bis Sie 10 Bewegungen gespürt haben – das sollte innerhalb von 2 Stunden möglich sein. Nehmen die Bewegungen deutlich ab oder spüren Sie länger als 12 Stunden keine Bewegung, nehmen Sie sofort Kontakt mit Ihrer Hebamme oder dem Kreißsaal auf. Veränderte Aktivität ist das wichtigste Signal des Babys.