38. SSW – Vorzeichen und Geburtsbereitschaft

38. SSW: Auf dem Sprung – Vorzeichen und Geburtsbereitschaft

In der 38. SSW sind Sie im dritten Trimester. Die 38. SSW folgt auf die 37. SSW; weiter geht es mit der 39. SSW.

Der Fötus wiegt jetzt etwa 3 100 g und ist rund 49 cm lang. Das Baby ist vollständig ausgereift – alle Organe sind funktionsfähig. Vernix caseosa nimmt ab; Fingernägel sind lang, manche Babys kommen mit Kratzspuren zur Welt. Kopfhaare sind vorhanden, variieren aber stark in Menge und Farbe. Die Geburt kann jederzeit beginnen.

Vorzeichen erkennen und einordnen

Typische Vorzeichen in dieser Phase – noch kein Grund zur sofortigen Fahrt in den Kreißsaal: Abgang des Schleimpfropfs (Zeichnen); Durchfall oder weiche Stühle; intensivierte Braxton-Hicks-Kontraktionen; ein Nistinstinkt-Schub; zunehmender Druck im Becken; Rückenschmerzen, die rhythmisch kommen und gehen.

Echter Geburtsbeginn: Wehen alle 5 Minuten, je 1 Minute, seit 1 Stunde (5-1-1-Regel) – dann in den Kreißsaal. Blasensprung: immer sofort in den Kreißsaal, unabhängig von Wehen. Fruchtwasser riecht süßlich, läuft kontinuierlich und lässt sich nicht willentlich stoppen.

Grünes oder braunes Fruchtwasser (Mekonium): sofort Kreißsaal – Notfallzeichen.

Was Sie jetzt tun können

  • Zu Hause bleiben, solange es geht: In der Frühphase der Geburt ist zu Hause oft komfortabler als im Kreißsaal. Bewegung, Wärme, Dusche, vertraute Umgebung. Hebamme kontaktieren bei Unsicherheit.
  • Muttermundreifung unterstützen: Spaziergänge und aufrechte Haltung; Geschlechtsverkehr bei intakter Fruchtblase (Prostaglandine im Sperma); Brustwarzenreizung ab 38. SSW nach Rücksprache. Wehencocktail erst ab 39+0 nach Absprache mit Hebamme.
  • Letzte Vorbereitungen: Wer betreut ältere Kinder oder Haustiere? Wer fährt in die Klinik? Notfallnummern bekannt? Ist der Autositz korrekt montiert?
  • Geplanter Kaiserschnitt: Termin bestätigt? Nüchterngebot (in der Regel 6 Stunden für Speisen, 2 Stunden für klare Flüssigkeiten) bekannt? Klinikrufnummer für spontanen Wehenbeginn vor dem Termin gespeichert?
  • Schwangerschaftsrechner: Verbleibende Tage bis zum errechneten Termin mit dem Schwangerschaftsrechner überprüfen.

Begriffe erklärt

Mekoniumhaltiges Fruchtwasser entsteht, wenn der Fötus unter Stress den ersten Stuhlgang (Mekonium) in das Fruchtwasser absetzt. Grünes bis braunes Fruchtwasser beim Blasensprung ist ein Warnsymptom für mögliche fetale Hypoxie und erfordert sofortige Kreißsaalaufnahme mit CTG-Überwachung.

Delayed Cord Clamping (verzögertes Abklemmen der Nabelschnur) bedeutet, die Nabelschnur erst nach dem Austönen – nach 1–3 Minuten oder bis sie aufgehört hat zu pulsieren – abzuklemmen. Das überträgt ca. 80–100 ml Blut zusätzlich auf das Neugeborene und verbessert Eisenspeicher und Hämoglobinwerte. WHO und AWMF empfehlen es routinemäßig.

Periduralanästhesie (PDA) ist die wirksamste medikamentöse Schmerzlinderung unter der Geburt. Ein Katheter im Periduralraum ermöglicht eine kontinuierliche Gabe von Lokalanästhetikum. Moderne PDA erlaubt Bewegung und Positionswechsel. Sie ist zu jedem Zeitpunkt der aktiven Geburtsphase möglich.

Häufige Fragen zur 38. SSW

Welche Vorzeichen deuten auf einen baldigen Geburtsbeginn hin?

Vorzeichen (kein Grund zur sofortigen Fahrt in den Kreissaal): Abgang des Schleimpfropfs (Zeichnen); Durchfall oder weiche Stühle (Körper entleert den Darm vor der Geburt); intensive Braxton-Hicks; Nesteltrieb-Schub; Veränderung der Kindsbewegungen (nicht Abnahme!); Rückenschmerzen, die kommen und gehen. Echter Geburtsbeginn (Kreissaal): regelmäßige Wehen 5/1/1 (alle 5 Minuten, je 1 Minute lang, seit 1 Stunde); oder Blasensprung (immer sofort, unabhängig von Wehen).

Wie erkenne ich einen Blasensprung?

Fruchtwasser riecht süßlich-neutral, nicht nach Urin; es läuft kontinuierlich und lässt sich nicht willentlich stoppen (anders als unwillkürlicher Harnverlust). Es kann klar, leicht gelblich oder rosafarben sein. Grünes oder braunes Fruchtwasser (Mekonium-Beimengung) ist ein Warnsymptom – sofort Kreissaal. Bei Unsicherheit: Vorlage anlegen und in den Kreissaal fahren – der Arzt kann Fruchtwasser mit einem Schnelltest (AmniSure, Actim PROM) nachweisen.

Soll ich bei Beginn der Wehen sofort in den Kreissaal?

Nein – bei komplikationsloser Schwangerschaft in der Frühphase der Geburt zuhause bleiben und die Hebamme kontaktieren. Faustregel (5-1-1-Regel): Wehen alle 5 Minuten, je 1 Minute lang, seit mindestens 1 Stunde. Ausnahmen – sofort: Blasensprung; grünes/braunes Fruchtwasser; starke Blutungen; gefühlte Notfallsituation; bei Vorerfahrungen mit schnellen Geburten früher fahren. In Zweifelsfällen immer mit dem Kreissaal telefonieren.

Kann ich bei einem geplanten Kaiserschnitt trotzdem spontane Wehen bekommen?

Ja – ein geplanter (primärer) Kaiserschnitt wird oft für die 39. SSW terminiert, aber spontane Wehen oder ein Blasensprung können früher einsetzen. In diesem Fall sofort die Klinik kontaktieren – der Kaiserschnitt wird dann vorgezogen. Kliniktasche griffbereit, Klinikrufnummer im Telefon gespeichert.

Was kann ich tun, damit der Muttermund weicher wird?

Evidenzbasierte Massnahmen zur Muttermundreifung: Geschlechtsverkehr (Prostaglandine im Sperma, Orgasmus-bedingte Oxytozinausschüttung – nur bei intakter Fruchtblase); Brustwarzenreizung (Oxytozin, erst ab der 38.-39. SSW nach Rücksprache); Spaziergänge und aufrechte Haltung (Schwerkraft, Druckwirkung des Kopfes). Rizinusöl (Wehencocktail) erst ab 39 SSW nach Absprache. Dattelkonsum (2-6 Datteln/Tag ab der 36. SSW): kleine Studien zeigen möglicherweise einen weichenden Effekt; kein Schaden.

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