39. SSW – Optimales Geburtsfenster

39. SSW: Das optimale Geburtsfenster – alles bereit

In der 39. SSW sind Sie im dritten Trimester. Die 39. SSW folgt auf die 38. SSW; weiter geht es mit der 40. SSW.

Der Fötus wiegt jetzt etwa 3 300 g und ist rund 50 cm lang. Die 39.–40. SSW gilt als das optimale Geburtsfenster: alle Organe sind vollständig ausgereift, das Gehirn hat seine letzten wichtigen Reifungsschritte durchlaufen, die Lungen sind bereit. Nur ca. 5 % der Babys kommen genau am errechneten Termin – die Geburt kann jeden Tag beginnen.

Für die genaue Berechnung des errechneten Termins und verbleibender Tage nutzen Sie den Schwangerschaftsrechner.

Ihr Körper in der 39. SSW

Erschöpfung, Ungeduld und das Gefühl, dass die Schwangerschaft nie enden wird, sind in dieser Woche intensiv und vollkommen verständlich. Gleichzeitig verändert sich der Körper weiter: der Muttermund erweicht, verkürzt sich und öffnet sich langsam (Muttermundreifung), oft unbemerkt. Wehen, die kommen und gehen ohne Muster (Vorwehen), können Stunden oder Tage anhalten, bevor die echte Geburt beginnt.

CTG und ggf. Ultraschall zur Fruchtwasserbeurteilung werden jetzt häufiger. In Deutschland wird eine Geburtseinleitung ab 40+10 SSW besprochen; ab 41+0 SSW routinemäßig angeboten. In Österreich und der Schweiz ähnlich (ab 41+0 bzw. 41+3).

Was Sie jetzt tun können

  • Aktiv bleiben: Spaziergänge fördern die Absenkung des Kopfes und halten die Stimmung. Keine anstrengenden Sportarten – leichte Bewegung und aufrechte Haltung sind ideal.
  • Schmerzmanagement planen: PDA, Lachgas, Wasser, Bewegung, TENS – Präferenzen im Geburtsplan vermerkt. Offen bleiben: Geburten verlaufen selten wie geplant.
  • Wehen-Tagebuch führen: Uhrzeit, Dauer und Abstand der Wehen notieren – hilft beim Einschätzen, ob es echter Geburtsbeginn ist. Apps wie Contraction Timer sind praktisch.
  • Postpartale Verhütung besprechen: Beim letzten Vorsorgetermin ansprechen: Stillen schützt nicht zuverlässig vor erneuter Schwangerschaft. Minipille, IUP oder Kondom ab 3–6 Wochen postpartal möglich.
  • Ruhen, wann immer möglich: Die Geburt kostet Energie. Schlaf und Ruhe in den Tagen davor sind kein Zeichen von Passivität, sondern Vorbereitung.

Begriffe erklärt

Optimales Geburtsfenster (39+0–40+6 SSW) ist der Zeitraum, in dem Studien die besten Neugeborenen-Outcomes zeigen: beste Lungenreife, neurologische Ausreifung, Stillleistung und Thermoregulation. Spontane Geburten in diesem Fenster werden bevorzugt; medizinische Einleitungen ohne Indikation vor 39+0 werden vermieden.

Muttermundreifung (Zervixreifung) bezeichnet das Erweichen, Verkürzen und Öffnen des Muttermunds vor der Geburt. Sie geschieht durch Prostaglandine und mechanischen Druck des kindlichen Kopfes. Medizinisch ausgelöst wird sie durch Prostaglandin-Gel, -Pessarium oder Ballon-Katheter bei einer Geburtseinleitung.

Geburtseinleitung (Induktion) ist die künstliche Auslösung der Geburt mit Medikamenten oder mechanischen Methoden. Indikationen: Terminüberschreitung (>40+10 in DE), Präeklampsie, Gestationsdiabetes mit Komplikationen, vorzeitiger Blasensprung ohne Wehen, IUGR. Methoden: Prostaglandin-Gel/Pessarium (Muttermundreifung), Ballon-Katheter, Oxytocin i.v. (Wehenstimulung).

Häufige Fragen zur 39. SSW

Ab wann gilt meine Schwangerschaft als übertragen und was passiert dann?

Als Terminüberschreitung gilt in Deutschland ab 40+1 SSW; als Übertragung ab 42+0 SSW. In Deutschland empfehlen die Mutterschaftsrichtlinien, eine Geburtseinleitung ab 40+10 SSW zu besprechen – spätestens ab 41+0 SSW wird sie routinemäßig angeboten. In Österreich und der Schweiz ab 41+0 bzw. 41+3 SSW. Das Risiko für Totgeburt, Mekoniumaspiration und Makrosomie steigt nach dem ET langsam an. CTG und Ultraschall (Fruchtwassermenge, Biophysikalisches Profil) werden häufiger.

Was sind meine Optionen zur Schmerzlinderung unter der Geburt?

Nicht-pharmakologisch: Bewegung und Positionswechsel, Wasser (Wanne/Dusche), TENS-Gerät, Wärme (Wärmepflaster, Heisskissenbeutel), Atemtechniken, Massagen, HypnoBirthing, Doula-Begleitung. Pharmakologisch: Lachgas (Distickstoffmonoxid) – in vielen DACH-Kliniken angeboten, kurz wirksam, selbst steuerbar; PDA (Periduralanästhesie) – sehr wirksam, jederzeit während der aktiven Geburtsphase möglich, kein negativer Einfluss auf das Baby bei modernem Einsatz; Pethidin/Opioide – in Kliniken ohne Lachgas seltener eingesetzt.

Was ist eine PDA und hat sie Nachteile?

Die Periduralanästhesie (PDA) ist die wirksamste Methode der Geburtsschmerzlinderung. Ein dünner Katheter wird in den Periduralraum der Wirbelsäule eingebracht; ein Lokalanesthetikum blockiert die Schmerzleitung aus dem Uterus. Moderne PDA: das Bein kann bewegt und Positionen können gewechselt werden. Häufig zitierte Nachteile: verlängerte Austreibungsphase (aber keine Zus. mit mehr Kaiserschnitten); Blutdruckabfall (wird behandelt); Juckreiz bei Opioidzusatz; selten Kopfschmerzen bei versehentlicher Duraperforation. Benötigt einen Anästhesisten – in kleineren Kliniken nicht immer rund um die Uhr verfügbar.

Kann das Baby jetzt noch zu gross sein für eine natürliche Geburt?

Eine echte Kopf-Becken-Missverhältnis (CPD) ist selten – ca. 1-3 % aller Geburten. Ultraschall-Gewichtsschätzungen im dritten Trimester haben eine Fehlertoleranz von +-10-15 %, d. h. ein geschätztes Gewicht von 4.000 g kann real 3.400-4.600 g bedeuten. Die meisten Frauen können auch grosse Babys vaginal gebären. Bei begrundetem Verdacht auf Makrosomie (>4.500 g) oder Gestationsdiabetes-Makrosomie wird der Geburtsmodus besprochen.

Was passiert direkt nach der Geburt in der Klinik?

In den ersten Minuten: Frühes Bonding – sofortiger Haut-zu-Haut-Kontakt auf der Brust der Mutter (mind. 60 Minuten wenn möglich); Nabelschnur erst nach Ausausptopfen abklemmen (delayed cord clamping, empfohlen von WHO und AWMF); Apgar-Bewertung des Neugeborenen. In den ersten Stunden: Gewicht, Länge, Kopfumfang; Vitamin-K-Gabe (Prophylaxe Hirnblutung); U1-Untersuchung. Anti-D-Injektion für Rh-negative Mütter, falls Baby Rh-positiv ist – innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt.

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