Stillen beginnt oft schon im Kreißsaal: Wenn Mutter und Kind wohlauf sind, wird das Neugeborene unmittelbar nach der Geburt auf die Brust der Mutter gelegt (Haut-zu-Haut-Kontakt, Golden Hour). Dieser erste Kontakt fördert den Suchreflex des Babys, wärmt es und leitet die erste Stillanbahnung ein.
In den ersten Tagen braucht es keine große Milchmenge. Die erste Muttermilch – das Kolostrum – wird in kleinen, konzentrierten Mengen produziert und passt genau zum winzigen Magenvolumen des Neugeborenen (Tag 1: ca. 5–7 ml pro Mahlzeit). Kolostrum ist reich an Antikörpern, Wachstumsfaktoren und schützt die Darmschleimhaut.
WHO, DGGG und Fachgesellschaften in DACH empfehlen ausschließliches Stillen für die ersten 6 Lebensmonate. Danach Beikost einführen und weiter stillen bis zum 2. Lebensjahr oder länger – so lange es für Mutter und Kind passt. Abstillen ist zu jedem Zeitpunkt möglich.
Für die erste Zeit nach der Geburt: Kliniktasche-Checkliste und Geburt. Das Alter des Babys und Entwicklungsmeilensteine verfolgen mit dem Baby-Altersrechner.
Ein gutes Anlegen bedeutet: das Baby nimmt nicht nur die Brustwarze, sondern einen großen Teil des Warzenhofs in den Mund. Kinn berührt die Brust, Lippen sind nach außen gestülpt, Kopf und Körper des Babys sind in einer Linie. Das Baby sollte nicht den Kopf drehen müssen, um zu trinken.
Während des aktiven Trinkens sollte Schlucken hörbar oder sichtbar sein. Leichte Empfindlichkeit in den ersten Tagen ist normal – starke Schmerzen, Risse oder Blutungen an den Brustwarzen, Klickgeräusche oder ein abgeflachtes Aussehen der Brustwarze nach dem Trinken sind Zeichen, dass das Anlegen überprüft werden sollte. Frühzeitig Hilfe bei der Hebamme oder Stillberaterin (IBCLC) holen.
Neugeborene trinken häufig – mindestens 8–12 Mal in 24 Stunden, manche mehr. Muttermilch wird schnell verdaut; der Magen ist klein. Cluster-Feeding (gehäuftes Trinken, oft abends) ist normal und kein Zeichen für zu wenig Milch – es stimuliert die Milchproduktion.
Frühe Hunger-Zeichen erkennen: Wühlen, Suchreflex (Kopf drehen und Mund öffnen), Hände zum Mund führen, Saugbewegungen. Schreien ist ein spätes Zeichen – ein sehr hungerndes, schreinendes Baby lässt sich schwerer anlegen. Wenn das Baby sehr schläfrig ist, zu früh geboren wurde, Gelbsucht hat oder mehr Gewicht verliert als erwartet: auf Anraten der Hebamme oder Kinderärztin wecken und ein Trinkprotokoll führen.
Zuverlässige Zeichen für ausreichende Versorgung:
Sofort Hilfe holen bei: Baby trinkt weniger als 8-mal/24 h, ist schwer weckbar, hat einen trockenen Mund, zu wenige Windeln, zunehmende Gelbsucht oder das Gewicht fällt weiter nach Tag 4–5.
Der Milcheinschuss (Laktogenese II) tritt an Tag 3–5 nach der Geburt ein. Die Brust wird prall, warm, schwer und schmerzhaft gespannt. Häufiges Anlegen (8–12 × pro Tag) ist die wichtigste Reaktion. Vor dem Anlegen etwas Milch ausstreichen, damit der Warzenhof weicher und für das Baby leichter zu fassen ist. Kühlung nach dem Stillen (Kühlkissen oder Kohlblatt) lindert das Spannungsgefühl.
Schmerzende oder rissige Brustwarzen erfordern eine Überprüfung des Anlegens. Lanolin-Creme (z. B. Lansinoh) nach dem Stillen und an der Luft trocknen lassen helfen. Bei anhaltenden Schmerzen: Stillberaterin aufsuchen – oft ist eine kleine Anpassung der Stillposition ausreichend.
Mastitis (Brustentzündung) äußert sich als geröteter, heißer, druckschmerzhafter Bereich in der Brust, oft mit Fieber und Grippegefühl. Wichtigste Maßnahme: Milch weiter aus der betroffenen Seite entfernen (anlegen oder abpumpen), Wärme vor dem Stillen, Kühlung danach, Ibuprofen. Bei Infektion (kein Besserung nach 24 Stunden, hohes Fieber): Antibiotika nach ärztlicher Verordnung. Stillen während der Antibiotikabehandlung ist in der Regel sicher.
Stillen ist eine erlernte Fähigkeit – für Mutter und Kind. Frühzeitig Hilfe holen ist keine Niederlage, sondern verhindert, dass kleine Probleme zu Gründen für vorzeitiges Abstillen werden.
Anlaufstellen in DACH: Hebamme (GKV-finanziert bis 12 Wochen postpartal in DE); Stillberaterin IBCLC; La Leche Liga (Deutschland, Österreich, Schweiz); Stillambulanz in Kliniken; Kinderarztpraxis.
Kolostrum ist die erste Muttermilch: goldgelb, dickflüssig, in kleinen Mengen produziert. Reich an sekretorischem IgA, Leukozyten und Wachstumsfaktoren. Es ist die ideale erste Nahrung für das Neugeborene und kein Ersatz durch Fertignahrung nötig.
Milcheinschuss (Laktogenese II) bezeichnet den Übergang von der Kolostrumproduktion zur reifen Milch an Tag 3–5 postpartal. Er geht mit Brustspannung, Wärme und erhöhtem Milchvolumen einher.
Cluster-Feeding (Clustermahlzeiten) sind gehäufte Stillmahlzeiten kurz hintereinander, oft abends. Sie sind normal, kein Zeichen für zu wenig Milch und stimulieren die Milchproduktion.
Mastitis ist eine Brustentzündung, die entzündlich (durch Milchstau) oder infektiös (Staphylococcus aureus) verlaufen kann. Symptome: gerötete, heiße, schmerzhafte Brust, Fieber, Gliederschmerzen. Behandlung: weiter Milch entfernen, Ibuprofen, ggf. Antibiotika.
IBCLC (International Board Certified Lactation Consultant) ist die internationale Berufsbezeichnung für zertifizierte Stillberaterinnen und -berater mit medizinischer Ausbildung. Sie sind spezialisiert auf komplexe Stillprobleme, Frühgeborene, Medikamentenfragen und Abpumpen.
Kolostrum ist die erste Muttermilch – goldgelb, dickflüssig und in kleinen Mengen produziert. Es ist reich an sekretorischem IgA (Antikörper), Leukozyten, Wachstumsfaktoren und Laktoferrin. Schon wenige Milliliter pro Mahlzeit sind ausreichend für das winzige Magenvolumen eines Neugeborenen (ca. 5-7 ml am Tag 1). Kolostrum schutzt die Darmschleimhaut, fördert den ersten Stuhlgang (Mekonium-Abgang) und überträgt passiv Immunschutz. Es ist kein Ersatz durch Fertignahrung nötig.
Der Milcheinschuss (Laktogenese II) tritt typischerweise an Tag 3-5 nach der Geburt ein – bei Erstgebärenden etwas später als bei Mehrgebärenden. Die Brust wird straffer, wärmer, schwerer und kann schmerzhaft gespannt sein. Häufiges Anlegen (8-12x/24h) ist das wichtigste Signal, um die Milchmenge zu etablieren. Leichte Kühlkompresse nach dem Stillen, ausstreichen einer kleinen Menge vor dem Anlegen (damit der Warzenhof weicher wird) und Bewegung helfen gegen Spannungsgefühl.
Zuverlässige Zeichen für ausreichende Versorgung: mindestens 6 nasse Windeln in 24 Stunden ab Tag 5; Stuhlgang wechselt von dunkelgrunem Mekonium zu gelblichem Stuhl; Baby ist nach Mahlzeiten sichtbar entspannt; Gewicht steigt ab Tag 5 wieder an (nach physiologischem Geburtsgewichtsverlust von bis zu 7-10 %). Sofort Hilfe bei: Baby trinkt weniger als 8x/24h, ist schwer weckbar, hat trockene Schleimhäute oder eingesunkene Fontanelle.
Mastitis (Brustentzündung) äußert sich als roter, heisser, druckschmerzhafter Bereich in der Brust, oft begleitet von Fieber, Schtuttelfrost und Grippegefühl. Ursachen: Milchstau mit entzündlicher Reaktion, oder Infektion (meist Staphylococcus aureus). Wichtigste Massnahme: Milch weiter aus der betroffenen Brust entfernen (anlegen oder abpumpen); Wärme vor dem Stillen, Kühlung danach; Ibuprofen (Entzündung + Schmerz); bei infektioser Mastitis Antibiotika (Flucloxacillin oder Cephalosporin) nach ärztlicher Verordnung. Nicht abrupt abstillen – das verstärkt den Milchstau.
WHO und DACH-Fachgesellschaften empfehlen ausschliessliches Stillen für 6 Monate, danach Beikost parallel bis zum 2. Lebensjahr oder länger – soweit es für Mutter und Kind passt. Abstillen ist zu jedem Zeitpunkt möglich. Sanftes Abstillen: Mahlzeiten schrittweise durch Flasche oder Beikost ersetzen, eine Mahlzeit pro Woche weglassen; Brust nicht vollständig entleeren (nur Druckgefühl lindern), um Milchproduktion zu reduzieren. Abruptes Abstillen erhöht Mastitis-Risiko. Bei Frühabstillen (vor dem 6. Monat): geeignete Säuglingsanfangsnahrung (Pränahrung) wählen.