Das zweite Trimester gilt für die meisten Schwangeren als angenehmste Phase der gesamten Schwangerschaft. Die Übelkeit und Erschöpfung der ersten Wochen klingen in aller Regel ab, die Energie kehrt zurück, und der Bauch wird sichtbar. Gleichzeitig treten die ersten Kindsbewegungen auf – ein Moment, den viele werdende Eltern als besonders berührend empfinden.
In diesem Schwangerschaftskalender umfasst das zweite Trimester die 15. bis 27. Schwangerschaftswoche (SSW). In der deutschsprachigen Geburtshilfe beginnt das zweite Trimester mit der vollendeten 14. SSW und reicht bis zur vollendeten 27. SSW. In dieser Zeitspanne wächst das Baby von rund 90 mm und etwa 40 g auf ungefähr 35 cm und 900 g heran. Die Sinnesorgane reifen rasant: Hören, Sehen, Schmecken und Tasten entwickeln sich in dieser Phase entscheidend weiter.
Die ersten spürbaren Kindsbewegungen – in der englischsprachigen Fachliteratur als Quickening bezeichnet – setzen bei Erstgebärenden meist zwischen der 18. und 22. SSW ein, bei Mehrgebärenden häufig einige Wochen früher. Anfangs fühlen sie sich an wie ein leises Flattern oder Kribbeln, bevor daraus deutliche Tritte und Drehbewegungen werden.
Verfolgen Sie die Entwicklung Woche für Woche: Starten Sie in der 15. SSW, lesen Sie alles über den Organultraschall rund um die 22. SSW, oder springen Sie direkt zur 27. SSW am Ende des zweiten Trimesters. Den voraussichtlichen Geburtstermin ermitteln Sie mit dem Geburtsterminrechner.
Das zweite Trimester ist geprägt von rasanter Größenzunahme sowie der Reifung der Sinnes- und Nervensysteme. Die wichtigsten Meilensteine im Überblick:
Die Gewichtszunahme wird im zweiten Trimester deutlicher sichtbar und spürbar. Im Durchschnitt nimmt der Körper ab dem fünften Monat etwa 400 bis 500 g pro Woche zu. Mit dem wachsenden Bauch verlagert sich der Körperschwerpunkt nach vorne: Rückenschmerzen im Lendenbereich, ein Ziehen in der Leistengegend und nächtliche Wadenkrämpfe sind häufige Begleiter. Sanfte Bewegung wie Spazierengehen, Schwimmen oder pränatales Yoga ist ausdrücklich empfohlen – sie stärkt die Muskulatur, verbessert den Schlaf und bereitet den Körper auf die Geburt vor.
Weitere typische Beschwerden im zweiten Trimester sind: Sodbrennen und Reflux (bedingt durch Progesteron und den Druck des wachsenden Uterus auf den Magen), Verstopfung, Nasenbluten infolge der gesteigerten Durchblutung der Schleimhäute sowie Zahnfleischbluten (Schwangerschaftsgingivitis). Krampfadern und leichte Knöchelschwellungen gegen Abend sind ebenfalls verbreitet. Erstmals können in dieser Phase Braxton-Hicks-Wehen auftreten: schmerzlose, unregelmäßige Übungskontraktionen des Uterus, die in Ruhe wieder nachlassen und keine Vorboten der Geburt sind.
Warnsignal Präeklampsie: Plötzliche starke Schwellungen im Gesicht, an den Händen oder Beinen, begleitet von heftigen Kopfschmerzen, Sehstörungen oder einem Druckgefühl im Oberbauch, müssen umgehend ärztlich abgeklärt werden – diese Zeichen können auf eine Präeklampsie hinweisen. Fahren Sie sofort in die Klinik oder rufen Sie den Notruf 112.
Die Schwangerenvorsorge ist im DACH-Raum gut ausgebaut, unterscheidet sich jedoch je nach Land in Umfang und Organisation.
Deutschland: Im Mutterpass sind für das zweite Trimester die 4. bis 6. Vorsorgeuntersuchung vorgesehen. Bei Rh-negativen Schwangeren wird ein Antikörpersuchtest durchgeführt; in der 28.–30. SSW erfolgt zudem die prophylaktische Anti-D-Immunprophylaxe. Das Gestationsdiabetes-Screening (oGTT 75 g) ist zwischen der 24. und 28. SSW als gesetzliche Kassenleistung vorgesehen. Bei Risikofaktoren – BMI ≥ 27, Alter ≥ 35 Jahre, Familienanamnese für Diabetes, vorausgegangener Gestationsdiabetes oder auffällige Nüchternglukose – wird das Screening früher, bereits ab der 12.–16. SSW, empfohlen.
Österreich: Im Rahmen des Mutter-Kind-Pass sind im zweiten Trimester mehrere ärztliche und hebammengeleitete Untersuchungen vorgesehen, darunter Blutdruckmessung, Urinuntersuchung, fetale Herztonkontrolle und Ultraschall. Die Leistungen sind an den Bezug der Kinderbeihilfe geknüpft und damit ein starker Anreiz zur lückenlosen Inanspruchnahme.
Schweiz: Die Schwangerenvorsorge folgt den Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). Im zweiten Trimester finden in der Regel monatliche Kontrolltermine statt; das Screening auf Gestationsdiabetes erfolgt ebenfalls zwischen der 24. und 28. SSW, in der Regel als 75-g-oGTT.
Der Organultraschall – auch Feinultraschall oder großer Ultraschall II genannt – ist die umfassendste Einzeluntersuchung der gesamten Schwangerschaft und findet idealerweise zwischen der 19. und 22. SSW statt. In diesem Zeitfenster sind die fetalen Strukturen groß genug für eine detaillierte Beurteilung, während das Baby noch ausreichend Bewegungsfreiheit hat.
Untersucht werden systematisch: Gehirn und Schädel (Ventrikel, Kleinhirn, Nackenfalte), Herz (Vierkammerblick, Ausflusstrakte), Wirbelsäule, Bauchorgane (Magen, Nieren, Harnblase, Bauchwand), Gliedmaßen (Arme, Beine, Hände, Füße) sowie Plazenta, Fruchtwasser und Nabelschnur. Ergänzend wird das fetale Wachstum biometrisch vermessen.
Der Organultraschall ermöglicht die Erkennung der überwiegenden Mehrzahl schwerwiegender fetaler Fehlbildungen. In Deutschland ist er als GKV-Leistung vollständig und ohne Zuzahlung abgedeckt. Feinultraschall und Organultraschall bezeichnen dabei exakt dieselbe Untersuchung – die Begriffe werden im klinischen Alltag synonym verwendet.
Kindsbewegungen / Quickening – Die vom Mutterleib wahrnehmbaren Bewegungen des Babys. Erstgebärende spüren sie meist ab der 18.–22. SSW, Mehrgebärende häufig früher. Regelmäßige Kindsbewegungen sind ein wichtiges Zeichen des fetalen Wohlbefindens.
Vernix caseosa – Ein weißlich-cremiger Schutzfilm aus Talgdrüsensekret und abgestoßenen Hautzellen, der ab dem zweiten Trimester die Haut des Babys überzieht und vor dem Fruchtwasser schützt. Manche Neugeborenen kommen noch mit Vernix-Resten zur Welt.
Surfaktant – Eine tensidähnliche Substanz, die ab etwa der 24. SSW von den Typ-II-Pneumozyten der fetalen Lunge produziert wird. Sie verhindert das Kollabieren der Lungenbläschen bei der Ausatmung und ist Voraussetzung für eine eigenständige Atmung nach der Geburt.
Viabilitätsgrenze – Der Gestationszeitpunkt, ab dem ein Überleben des Frühgeborenen außerhalb des Mutterleibs unter intensivneonatologischer Betreuung grundsätzlich möglich ist. In Deutschland und Österreich liegt sie bei etwa 22–24 vollendeten SSW; die Prognose verbessert sich mit jeder weiteren Woche deutlich.
Braxton-Hicks-Wehen – Schmerzlose, unregelmäßige und nicht progrediente Übungskontraktionen des Uterus, die ab dem zweiten Trimester auftreten können. Sie sind physiologisch und von vorzeitigen Wehen zu unterscheiden, die regelmäßig, zunehmend schmerzhaft und in immer kürzeren Abständen auftreten.
Gestationsdiabetes (GDM) / oGTT – Ein in der Schwangerschaft erstmals auftretender oder erkannter Diabetes mellitus. Diagnose mittels oralem Glukosetoleranztest (oGTT, 75 g Glukose, 24.–28. SSW). Unbehandelt erhöht er das Risiko für Makrosomie, Schulterdystokie und neonatale Hypoglykämie. In den meisten Fällen gut durch Ernährungsumstellung und ggf. Insulin einstellbar.
Präeklampsie – Eine schwangerschaftsassoziierte Erkrankung, definiert durch Bluthochdruck (≥ 140/90 mmHg) und Proteinurie nach der 20. SSW. Leitsymptome: plötzliche Ödeme, heftige Kopfschmerzen, Sehstörungen, Oberbauchschmerzen. Erfordert sofortige klinische Abklärung und ggf. stationäre Behandlung.
Die meisten Erstgebärenden spüren die ersten Kindsbewegungen zwischen der 18. und 22. SSW – oft zunächst als zartes Kribbeln oder "Schmetterlinge im Bauch". Bei Mehrgebärenden kann es schon ab der 16. SSW so weit sein, da sie die Bewegungen bereits kennen und früher erkennen. Regelmäßige, deutlich spürbare Kindsbewegungen sind ab der 24.–26. SSW zu erwarten.
Der Organultraschall (Feinultraschall, Zielsonografie) wird in der Regel zwischen der 19. und 22. SSW durchgeführt. Dabei werden alle Organsysteme des Babys systematisch beurteilt: Herz, Gehirn, Nieren, Wirbelsäule, Extremitäten und Plazenta. In Deutschland ist diese Untersuchung als 2. Trimester-Screening im Mutterpass vorgesehen (J2). In Österreich ist sie Teil des Mutter-Kind-Passes, in der Schweiz wird sie im Rahmen der Pränataldiagnostik angeboten.
Der orale Glukosetoleranztest (oGTT) ist ein Screening-Test auf Gestationsdiabetes (GDM). In Deutschland wird er zwischen der 24. und 28. SSW für alle Schwangeren empfohlen (Mutterschaftsrichtlinien G-BA). Die Kosten werden von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen. Für den Test trinken Sie eine Glukoselösung (75 g), und der Blutzucker wird nach 1 und 2 Stunden gemessen. In Österreich und der Schweiz gelten vergleichbare Empfehlungen.
Braxton-Hicks-Kontraktionen (Übungswehen, Vorwehen) sind unregelmäßige, schmerzlose Gebärmutterkontraktionen, die ab dem 2. Trimester auftreten können. Sie dauern meist 20–60 Sekunden, sind nicht schmerzhaft und haben kein regelmäßiges Muster. Sie gelten als normale Vorbereitung der Gebärmutter auf die Geburt. Treten Kontraktionen jedoch regelmäßig (alle 5–10 Minuten), schmerzhaft oder begleitet von Blutungen auf, sollten Sie sofort ärztlichen Rat suchen.
Folgende Zeichen erfordern sofortigen Arzt- oder Klinikbesuch: starke vaginale Blutungen, anhaltende Unterleibsschmerzen oder starke Rückenschmerzen, plötzliche Schwellung von Gesicht, Händen oder Füßen (mögliche Präeklampsie), Sehstörungen oder starke Kopfschmerzen, hohes Fieber über 38,5 °C, keine spürbaren Kindsbewegungen nach der 24. SSW sowie Zeichen eines vorzeitigen Blasensprungs (Fruchtwasserabgang).