Eine Geburt verläuft selten genau wie geplant – aber wer die Phasen kennt, Warnsymptome einordnen kann und weiß, wann der richtige Zeitpunkt für die Fahrt in den Kreißsaal ist, geht ruhiger in diese Erfahrung. Vorbereitung bedeutet nicht, alles kontrollieren zu wollen, sondern handlungsfähig zu bleiben.
Erste Geburtszeichen sind: Abgang des Schleimpfropfs (Zeichnen), menstruationsähnliche Krämpfe, zunehmender Druck im Becken, veränderter Ausfluss, intensivere Braxton-Hicks-Kontraktionen. Die Geburt beginnt üblicherweise mit regelmäßigen Wehen oder einem Blasensprung.
Zur praktischen Vorbereitung: Kliniktasche-Checkliste. Nach der Geburt: Stillen – Anlegen und Milcheinschuss. Auch hilfreich: 38. SSW, 39. SSW und 40. SSW.
Geburtsschmerz ist zweckgebundener Schmerz: der Uterus arbeitet, der Muttermund öffnet sich, das Baby bewegt sich durch den Geburtskanal. Intensität, Lokalisation und Verträglichkeit variieren stark. Schmerzen werden im Unterbauch, im unteren Rücken, im Becken, in der Vagina oder im Dammbereich gespürt.
Nicht-medikamentöse Optionen: Bewegung und Positionswechsel; Wasser (Wanne oder Dusche); TENS-Gerät; Wärme; Atemtechniken; kontinuierliche Unterstützung durch Hebamme oder Doula; Massage. Medikamentöse Optionen in DACH: Lachgas (in vielen Kreißsäalen verfügbar, selbst steuerbar); PDA (Periduralanästhesie, sehr wirksam, jederzeit in der aktiven Phase möglich, kein negativer Einfluss auf das Baby); Buscopan i.v. (krampflösend); Opioide (seltener, da Neugeborenes beeinflussbar). Welche Optionen Ihre Klinik anbietet: vorab erfragen.
Befolgen Sie immer die Empfehlungen Ihrer Klinik und Hebamme – besonders bei Risikoschwangerschaften oder bekannter Schnellgeburt.
Kreißsaal sofort aufsuchen oder Notruf (112) rufen bei:
Eine Geburt verläuft in drei Phasen:
Die Eröffnungsphase beginnt mit regelmäßigen Wehen und endet bei vollständig geöffnetem Muttermund (10 cm). Die Latenzphase (bis ca. 4–6 cm) kann lang sein – oft zu Hause überbrücken. Die aktive Phase (ab 6 cm) verläuft schneller und intensiver.
Das Geburtsteam beurteilt regelmäßig: Muttermundöffnung, Fruchtblase, Kindslage und kindliche Herzfrequenz (CTG kontinuierlich oder intermittierend, je nach Risikoprofil und Wunsch).
Die Austreibungsphase beginnt bei vollständiger Eröffnung. Der Kopf des Babys bewegt sich durch den Geburtskanal; ein starker Pressdrang setzt ein. Das Geburtsteam leitet Pressbewegungen, Atemtechniken und Positionswechsel an. Diese Phase dauert bei Erstgebärenden durchschnittlich 1–3 Stunden (mit PDA etwas länger), bei Mehrgebärenden deutlich kürzer.
Nach der Geburt des Babys löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand und wird ausgestoßen – in der Regel innerhalb von 30 Minuten. Das Geburtsteam überprüft Blutung und Gebärmutterrückbildung. Übliche Maßnahme: Oxytocin i.m. (Wirkstoff zur Gebärmutterkontraktion) aktiv verabreichen, um den Blutverlust zu reduzieren – auf Wunsch auch abwarten (passive Leitung).
Wenn Mutter und Baby wohlauf sind: sofortiger Haut-zu-Haut-Kontakt (Golden Hour), verzögertes Abklemmen der Nabelschnur, erste Stillanbahnung. Dann folgen Wiegen, Messen, U1-Untersuchung, Vitamin-K-Gabe und ggf. Anti-D-Injektion (Rh-negative Mütter).
Blasensprung: Riss der Fruchtblase mit Abgang von Fruchtwasser. Klares, süßlich riechendes Fruchtwasser, das sich nicht willentlich stoppen lässt. Immer sofort in den Kreißsaal – unabhängig von Wehen.
CTG (Kardiotokogramm) zeichnet gleichzeitig die kindliche Herzfrequenz und die Uteruskontraktionen auf. Es wird unter der Geburt eingesetzt, um das fetale Wohlbefinden zu überwachen.
PDA (Periduralanästhesie): ein Katheter im Periduralraum liefert kontinuierlich Lokalanästhetikum. Wirksamste Schmerzlinderung unter der Geburt; modern angewendet erlaubt sie Bewegung und Positionswechsel; kein negativer Einfluss auf das Baby bei korrekter Dosierung.
Delayed Cord Clamping (verzögertes Nabelschnurabklemmen): Nabelschnur erst nach dem Austönen (1–3 Minuten) oder bis sie aufgehört hat zu pulsieren abklemmen. Überträgt ca. 80–100 ml Blut zusätzlich auf das Neugeborene; verbessert Eisenspeicher. Von WHO und AWMF empfohlen.
Echte Wehen (Eröffnungswehen) werden regelmäßiger, stärker und näher zusammen – sie lassen sich nicht durch Ruhe, Positionswechsel oder Trinken stoppen. Vorwehen (Braxton-Hicks, Übungswehen) sind unregelmassig, schwächer und verschwinden bei Bewegung oder Ruhe. Faustregel für den Kreissaalbesuch: 5-1-1 – Wehen alle 5 Minuten, je 1 Minute lang, seit 1 Stunde. Ausnahmen: bei Blasensprung, starken Blutungen oder sehr schnell zunehmenden Wehen sofort fahren.
Sofort Kreissaal kontaktieren und hinfahren – unabhängig davon, ob Wehen vorhanden sind. Fruchtwasser riecht süßlich, ist klar bis leicht gelblich und läuft kontinuierlich; es lässt sich nicht willentlich stoppen. Grünliches oder braunes Fruchtwasser (Mekoniumbeimengung) ist ein Notfallzeichen – sofort fahren. Vorlage anlegen; nicht Baden; kein Geschlechtsverkehr nach Blasensprung.
Erstgebärende haben häufig längere Geburten: die aktive Eröffnungsphase (ab 4-6 cm Muttermund) dauert im Durchschnitt 6-12 Stunden; bei Mehrgebärenden 4-8 Stunden. Die Austreibungsphase (Pressen) dauert bei Erstgebärenden bis zu 3 Stunden (mit PDA), bei Mehrgebärenden kürzer. Diese Zeiten sind Durchschnittswerte – kürzere und längere Geburten sind normal.
In vielen deutschen und österreichischen Kreißsälen ist leichte Kost und klare Flüssigkeit in der Frühphase erlaubt. Mit fortschreitender Geburt und insbesondere bei möglichem Kaiserschnitt-Risiko wird meistens Nüchternheit empfohlen. Regelung variiert zwischen Kliniken – im Voraus mit der betreuenden Hebamme oder Klinik abklären. Isotonische Getränke und leichte Snacks können sinnvoll sein.
Ein Dammschnitt (Episiotomie) ist ein gezielter Schnitt in den Damm zur Erweiterung des Geburtskanals. In Deutschland und DACH wird er nicht mehr routinemäßig durchgeführt – er wird selektiv bei drohender schwerer Verletzung oder schneller Geburtsbeendigung eingesetzt. Perinealmassage ab der 34. SSW (3-4x/Woche, 5-10 Minuten) reduziert das Risiko nachweislich. Im Geburtsplan festhalten, dass keine Routine-Episiotomie gewünscht wird.